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Maria Gideon ist Kosmopolitin. In ihren Collagen jedoch rückt die Welt zusammen. Statt Panoramen aufzuzeigen, zerlegt sie die Welt in visuelle Bruchstücke und entlockt ihr Momente beunruhigender Schönheit. Sie zeigt nicht nur das, was vermeintlich ist, sondern auch das, was sein könnte. Fragmente, Symbole von Kommen und Gehen, Sinnbilder für Vernetzung und den Fluss der Zeit.
Manche meinen, der physischen Ortlosigkeit unserer Zeit sei eine psychologische Ortlosigkeit gefolgt und es bliebe nur noch die Erinnerung daran, dass es einmal tatsächlich so etwas gab, wie einen Ort. Im Werk Maria Gideons entschwinden die Grenzen, subtil inszeniert sie den Sturz des Realen. Echolinien und Resonanzformen, Paradoxa und Kontraste lassen vor unseren Augen ein kunstvoll tanzendes Chaos entstehen, aus dem – um es mit Schlegel zu sagen – „eine Welt entspringt“.
Maria ist Globetrotter, ein globaler Mensch. Die Rückbindung an einen Ort kann bei ihr kaum noch erfolgen, dazu es sind zu viele. Kairo, Berlin, Biel, Florianópolis, Sao Paulo, Rio de Janeiro, Istanbul, Três de Maio, Prora, Schorndorf, Hamburg So ist gerade ihre Nicht-Zugehörigkeit zu einem Ort Normalzustand – ein Privileg, kein Leid! und Quelle künstlerischer Inspiration:
Ich bin da, wo ich bin.
Die Künstlerin nutzt in ihren Collagen Orte als ästhetisches Experimentierfeld. In der Motivik dominieren Trash und Architekturelemente – Straßenfundstücke und Straßenfotografie: sie sammelt beim Fotografieren – darunter Tetrapacks mit Aufdruck, Fensterreihen, Treppen, Straßenfluchten und namenlose Objekte, die erst durch die künstlerische Syntax eine Aufladung erfahren. Durch Fragmentierung individualisiert und in Materialität gebunden, werden sie zum sensibel gebrochenen Abdruck einer ebenso globalen wie anonymen Gegenwart. Mit subtilen Interventionen und in faszinierender Kombinatorik legt sie verborgene, vielleicht auch vergessen geglaubte Sinnschichten frei und macht – frei nach Paul Klee – geheim Geschautes sichtbar.

Sie spielt mit dem Betrachter, stellt ihn auf die Probe. Sie lockt ihn heran und verweigert dann markant das Erzählen, schafft kaleidoskopische Räume, in denen das Auge sich verirrt. Und so steigt immer wieder eine letzte Ahnung von Wirklichkeit im Betrachter auf – doch logische Bildinhalte sind längst außer Kurs gesetzt.

Wenn Regeln notwendig sind, um zu spielen, bedarf es auch des Spiels mit der Regel.
Maria – mit Verlaub - beherrscht es mit Bravour.

Ich musste unwillkürlich an Walter Benjamin denken, der im Paris der Jahrhundertwende als Flaneur sich bewegte und mit großartiger Beobachtungsgabe bildhafte Eindrücke in der Metropole sammelte – Straßen, Warenhäuser, Menschen. Es gibt überraschende Parallelen zu den Streifzügen, zum prozesshaften Werk der jungen Berliner Künstlerin.
Benjamin erwähnte sogar, dass „...die täglichen Streifzüge (...) ein immer rätselhafteres, eindringlicheres Gesicht aufsetzten und heulten nach Art einer kleinen Bestie in meine Nächte, wenn ich sie tagsüber nicht an den entlegensten Quellen getränkt hatte. Weiß Gott was sie anrichten, wenn ich sie eines Tages als Text frei lasse.“ Benjamin wurde flaniersüchtig und hinterließ – in entschleunigtem Rhythmus – eine großartige literarische Spurenlese, das Passagen-Werk. Damals galt es als elegant, beim Promenieren eine Schildkröte mit sich zu führen.“ Benjamin suchte nie den schnellsten Weg, er verachtete jagende Hast und war bereit, einzutauchen in die Odysseen des Zufalls und der Langsamkeit. Man könnte meinen, Maria Gideon bewegte sich auf seinen Spuren.

Ricarda Geib
Stuttgart, im September 2018







VITA:

Geboren 1977 in Berlin
Lebt und arbeitet in Berlin
1998 – 2003: Kunststudium
                      Freie Kunstakademie Nürtingen




EINZELAUSSTELLUNGEN ( Auswahl ):


2019: "Die hermeneutische Garage" mit Sebastian Mayer, Installation, ILL GALLERIES, Berlin
2018: "Kubentheater", Theater, MS Artville/MS Dockville, Hamburg
2018: "Palast für den Augenblick", Installation, MS Artville/MS Dockville, Hamburg
2018: "Music", Fassade, Musikschule tomatenklang, Berlin
2018: "Das Hinterzimmer des Gärtners", Installation, Nachladen, Hamburg
2017: „Palast für den Augenblick“, Installation, Berlin
2017: „Palast für den Augenblick“, Installation, Atelier Hardy Langer, Schorndorf
2016: „Fire“, Installation, Galerie Seinsichten, Rostock
2015/2014/2013: „Cloud“, bewohnbare Installation, Kunstpension Anna Ohno, Stuttgart
2015: „Lost“, Installation, MS Artville/MS Dockville, Hamburg
2015: „Mad“, Installation, Zero Arts, Stuttgart
2014: „Mad“, Installation, Berlin
2014: „Die Summe aller Teilchen“, interaktive Installation, Kunstnacht, Schorndorf
2014: „Explosion“, Installation, Joachim Rong, Berlin
2013: „Anruf von der Sollbruchstelle“, Installation, Reinsburghallen, Stuttgart
2013: „Tudo está relacionado“, Installation, bungalow, Sao Paulo, Brasilien
2013: „Um portal para o momento“, Installation, Kulturtour des Goetheinstituts, Brasilien
2011:   Bühnenbild „ZOO“, Musiktheaterinstallation, Staatsphilharmonie Rheinland- Pfalz



GRUPPENAUSSTELLUNGEN ( Auswahl ):

2019: "Jagdgründe", Jahresausstellung des Schorndorfer Kunstvereins, Q-Galerie, Schorndorf
2018: "Baumbachs Abendgesellschaft, Installation, Berlin
2018: "Essenz", Jahresausstellung Kunstverein Schorndorf, Q-Galerie, Schorndorf
2018: "Schlaglichter", Kunstraum Zumhof, Zumhof
2017:  "Friendly capitalism lounge Vol.16", Galerie Neurotitan, Berlin
2016: „Rendevouz der Freunde“, Galerie Schacher, Stuttgart
2014: „7 days“, Atelier Hardy Langer, Schorndorf
2013: „Unfollow the leader“, Schaufenster, Berlin
2012: „Thank you for the smile on your face“, temporary art apartement Tesvikiye, Istanbul, Türkei
2012: „Avignon-Baumbach-Gideon-Klonek“, Galerie Hühsam, Offenbach
2012: „Jim Avignon and friends“, Aaber Artspace + Heitsch Galerie, München
2011: „La blague de lòmbre“, European creative center, Berlin
2010: „MCD Lab - Blinddate Berlin, Serralheria, Sao Paulo
2009: "Berlin-Zürich-Stuttgart", Reinsburghallen, Stuttgart
2009: "Ghettobird", Supermarkt, Berlin




ARBEITSAUFENTHALTE:

2013: Sao Paulo, Brasilien
2012: Istanbul, Türkei
2011: Biel/Bienne, Schweiz
2010: Florianópolis, Brasilien
2009: Kairo, Ägypten




EDITIONEN:

2013: „Vem pra rua“, Jahresedition, Stadt Schorndorf
2009: „Die Arschlochtheorie“, Edition Fasting Plockare, Biel/Bienne, Schweiz


Kontakt/Impressum:

Maria Gideon:
Hochstädter Strasse 11
13347 Berlin
m-i-a(at)gmx.net
St.Nr.: 31/307/61197




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