Fynn Steiner über den "Palast für den Augenblick"

Die Künstlerin Maria Gideon gehört der raren Spezies der Terraformer an.
Aus Ungenauigkeit und Abfall, aus Bruchstücken und Vergessenem
entwirft sie eine neue Welt, einen raumgreifenden Hort der Irrealität.
In ihren Arbeiten finden Zwischentöne, das halbseidene Licht und der Zufall ihr wahres Zuhause.
Nichts ist bei Gideon an seinem Platz, kein Stein steht mehr auf dem anderen
und die Konstruktion unserer Lebenswelt steht auf dem permanenten Prüfstand.
Der alte Satz des Heraklit, das alle Dinge im Fluss wären, bekommt bei Maria Gideon
seine visuelle Entsprechung. Ihre schwindelerregenden Realitätsverschiebungen
verlangen dem Betrachter eine neue Art zu sehen ab. Er kommt nicht umhin, sein Verständnis von Innen- und Außenwelt umfassend zu überdenken und nicht umhin,
sein Verständnis von Verpackung und Eigentlichkeit neu zu bewerten.
Maria Gideons pulsierende Astralkörper, ihre italienische Tischdeckenkartographie
und ihre potemkinsche Architektur machen sie zu einer stimmgewaltigen Formgeberin der menschlichen Verfassung. Gideons 'Palast für den Augenblick' könnte ebenso gut
die Überschrift und Ausformulierung einer ganzen Generation junger Künstler sein.

FYNN STEINER BEI 30QUADRAT

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